RED BULL TRUCK RACE TROPHY


FIA European Truck Racing Championship 2017 | Red Bull Ring | Spielberg [2017/05/12-14]

Der Red Bull Ring lud vom 12. – 14. Mai 2017 zu seinem ersten großen Event in diesem Jahr und da war gleich die Schwergewichtsklasse des Motorsports zu Gast, die Europäische Truck Race Meisterschaft.

Freitag

Der Freitag begann mit den üblichen Einstellfahrten, um die Trucks und die Fahrzeuge der hochkarätigen Gastserien auf die besonderen Feinheiten der steirischen Edelstrecke vorzubereiten. Der Red Bull Ring ist eine Herausforderung für Mensch und Maschine, die Fahrer müssen an ihre Grenzen gehen, die Technik muss hohen Ansprüchen gerecht werden und die Gehirne in den Boxen rauchen ob der heiklen Abstimmung.

Besonders schwierig wird die Sache, wenn die Bedingungen wechselhaft sind. So war es auch am ersten Tag der Truck Race Trophy. Anfangs zeigte sich die Gegend rund um Spielberg grün und sonnig, ab Mittag zogen jedoch dichte Wolken auf. Es wurde finster und das Wasser schoss förmlich vom Himmel. Dazu gesellte sich ein orkanartiges Lüfterl, wie man sarkastisch sagen könnte.

Gefahren wurde natürlich trotzdem und für die Zuseher auf den Tribünen waren die Wetterverhältnisse zumindest optisch kein Schaden. Rennwagen und natürlich auch Renn-Trucks schauen einfach mit Gischt und Wassersäulen hinter dem Heck am besten aus. Dazu die grell blinkenden Schlußleuchten, die dem ganzen Treiben noch einen Hauch von Dramatik verleihen. Und natürlich drehen sich übermotorisierte Maschinen besonders gerne im Regen um ihre vertikale Achse.

Für echte Rennbegeisterte war also wie immer alles ideal am Red Bull Ring, zu sehen gab es mehr als genug. Die Truck Race Trophy ist eben wasserfest.

Samstag

Der Samstag begann, wie zu erwarten, ebenfalls mit wechselhaften Wetterverhältnissen und daher mit leichtem Regen. Zum ersten Qualifying der Truck Race Trophy war die Strecke um den großen Bullen daher gut benetzt. Eine zusätzliche Herausforderung für die Akteure im Cockpit. Im Training zur Qualifiaktion setzte die 33-jährige Deutsche Stephanie Halm ein erstes Ausrufezeichen. Die designierte Nachfolgerin der legendären Ellen Lohr ließ mit einer Zeit von 1:05.200 sämtliche Herren hinter sich, obwohl der Red Bull Ring bis dato Neuland für sie war. Schon am Freitag präsentierte sich die Dame aus Herrenberg mit ihrem MAN-Truck mehr als konkurrenzfähig, ihre Zeit in Q1 sorgte trotzdem für Staunen auf den Rängen.

Die Super-Pole und somit den ersten Startpatz schnappte sich aber wie zu erwarten der Großmeister des Trucksports Jochen Hahn auf Iveco. Der Baden-Württemberger knallte als erster Pilot an diesem Wochenende eine Zeit unter 1:05.000 auf den Asphalt. Der neu aufgebaute Iveco Magirus zeigte Wirkung. Dementsprechend zuversichtlich waren er und sein Team auch für das erste Rennen. Neben ihm gesellte sich die schon erwähnte Stephanie Halm in die erste Startreihe. Sascha Lenz startete von Platz drei.

Im ersten Rennen bestätigte Jochen Hahn dann auch seine Favoritenrolle und behielt vom Start weg nicht ganz unangefochten die Oberhand. Einzig die talentierte Frau Halm blieb ihm auf den Fersen und machte ihm ein wenig das Leben schwer. Lenz verlor früh seinen Podiumsplatz. Am Ende war es Gerhard Körberer, der es als lachender Dritter aufs Treppchen schaffte. Über acht Sekunden hinter Halm und mehr als zehn hinter Hahn. Sowohl Hahn als auch Halm hielten sich gekonnt aus Kollisionen und Berührungen heraus, fuhren ein ruhiges Rennen auf der Ideallinie und somit in einer eigenen Klasse. Hinter ihnen wurde fleißig gezwickt und gebissen, im Parc Ferme wurde anschließend natürlich heiß diskutiert. Local Hero Markus Altenstrasser kam über Platz 8 nicht hinaus, Glück im Unglück, denn immerhin bedeutete dies dank dem Regelwerk die Pole-Position im zweiten Rennen des Tages.

Und da ging neben ihm der Portugiese José Rodrigues (MAN) aus der ersten Reihe an den Start. Dahiner lauerten Sascha Lenz und Norbert Kiss (Mercedes Benz). Nach einer turbulenten Startphase musste Österreicher Altenstrasser allerdings seine Führung bereits früh abgeben. Sein Set-up am Iveco-Truck dürfte nicht ideal gewesen sein. Besonders die Reifen wurden dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen und bauten Runde um Runde stark ab. Der Oberösterreicher konnte das hohe Tempo nicht mitgehen und wurde förmlich durchgereicht. Mehr als Platz 9 war nicht zu holen, sehr enttäuschend für den schnellen Mann auf Iveco. An der Spitze ging hingegen ein Traum in Erfüllung. José Rodrigues übernahm die Führung von Altenstrasser und verteidigte diese mit voller Kraft. Und davon haben die Race-Trucks ja bekanntlich mehr als genug. Der Portugiese feierte seinen ersten Sieg und war überwältigt von der kleinen Sensation. Schließlich ging er als erster portugiesischer Sieger im Truck-Sport in die Geschichte ein. Jochen Hahn und Stephanie Halm mussten sich mit den Plätzen fünf bzw. sechs zufriedengeben. Kein ideales Ergebnis, aber bedenkt man die harten Zweikämpfe im Mittelfeld, durchaus vertretbar.

In den Gastserien gab es natürlich ebenfalls wieder allerhand zu sehen. Der Suzuki Europe Cup überzeugte durch Chancengleichheit und enges Starterfeld, die Sportwagen der verschiedenen Klassen mit Speed, Sound und einer Optik, wie sie im Motorsport nicht besser sein kann. Dazu gesellten sich ein paar Exoten wie etwa ein Saleen S7. Höchst selten sieht man das Aushängeschild der mittlerweile insolventen Edelschmiede aus Kalifornien auf einer europäischen Rennstrecke.

Abseits der Piste war bereits am Samstag großer Andrang und dazu passendes ausgiebiges Rahmenprogramm. Red Bull hat es sich traditionell nicht nehmen lassen, das ganze Event familiengerecht zu gestalten. Für Alt und Jung war etwas dabei. Live-Musik, Trucker Camp, Präsentationen diverser Hersteller und viele Attraktionen für die Kleinsten waren ein Teil davon.

Sonntag

Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und war von der Früh an tatsächlich sonnig. Nach dem ersten Qualifying aller Rennserien wurde dem Publikum noch vor dem Mittagessen ein ungleiches Duell gezeigt. Berhard Auinger trat in einem Formel Renault 2.0 aus dem hauseigenen Fuhrpark des Red Bull Rings gegen den König der Renn-Trucks an. Der auf „The Iron Knight“ getaufte Volvo gilt mit seinen fast 2500PS und 6kNm Drehmoment (ja, da ist ein k vor dem N) sowie einer Spitzengeschwindigkeit von beinahe 280km/h als der Goliath im Rennsport. Am Steuer des schwedischen Ungetüms saß Boije Ovebrink, Landsmann des Fahrzeugs und Geschwindigkeitsrekordhalter. Das laute Duell endete nach zwei Runden mit einem versöhnlichen Unentschieden.

Dass Stephanie Halm zum Favoritenkreis zählt, bestätigte sie bereits am Samstag auf dem Red Bull Ring. Am Sonntag holte die deutsche Pilotin die erste Pole Position ihrer Karriere und feierte in einem turbulenten Rennen mit harten Zweikämpfen, das zwei Runden vor Schluss wegen eines Unfalls im Mittelfeld mit roter Flagge beendet werden musste, einen hart erkämpften Start-Ziel-Sieg. Jochen Hahn wurde hinter ihr auf Platz zwei abgewunken und der Spanier Antonio Albacete komplettierte das Podium. Halm war überglücklich über die erfolgreiche Abwehr von Hahns Angriffen und dem damit verbundenen Triumph, welcher ihr perfektes Wochenende noch einmal unterstrich. Der Österreicher Markus Altenstrasser musste nach zwei Runden aufgeben, die Hinterachse war defekt. Leider konnte sein Großbolide auch für das letzte Rennen des Tages nicht mehr fitgemacht werden.

Im Rennen Nummer vier schlug dann der Großmeister Jochen Hahn wieder zurück. Bedingt durch das Regelwerk mussten die Topfahrer aus dem Mittelfeld starten und so kam es zu einigen sehenswerten Überholmanövern. Hahn schnappte sich einen nach dem anderen, während Stephanie Halm mit Bremsproblemen aufgeben musste. Nachdem Adam Lecko und Sascha Lenz kurz vor Rennende aneinander gerieten, war dem Deutschen der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Damit ist Hahn nach zwei Siegen und einem zweiten Platz zum Saisonauftakt klar Führender in der Gesamtwertung. Doch hinter ihm lauert bereits die sensationelle Stephanie Halm. Auf dem dritten Rang liegt vorläufig der unauffällige, aber effiziente Punktesammler Adam Lecko.

Für die gut 18.000 Motorsportjünger war es am Red Bull Ring natürlich ein einziger großer Festakt mit tollen Rennen, tollem Rahmenprogramm und echtem Motorsport zum Anfassen. Das Trucker-Feeling kam niemals zu kurz, das Benzin im Blut kochte wie es sollte, daher freut man sich schon jetzt auf die Truck Race Trophy 2018!

EVENT-WEBSITE: www.projekt-spielberg.com
OFFICIAL-WEBSITE: www.fiaetrc.com

ONBOARD IM RACE-TRUCK MIT JOCHEN HAHN

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