ÖSTERREICH – WALES


Das mit 44.000 Zusehern beinahe ausverkaufte Ernst-Happel-Stadion war am Donnerstag den 6. Oktober 2016 Schauplatz des Spiels Österreich – Wales. Ein denkwürdiger Fußballabend, welcher so manchem Fan als Arnautovic-Gala in Erinnerung bleiben wird. Marko Arnautovic geigte groß auf und stellte selbst seine großartigen Mitspieler, allen voran David Alaba, Julian Baumgartlinger und Martin Hinteregger in den Schatten.

Das Spiel begann mit Großchancen auf beiden Seiten. Schon in der sechsten Minute hatte Kevin Wimmer per Kopf die Möglichkeit zur schneller Führung für die Gastgeber, scheiterte aber an Wayne Hennessy, dem Schlußmann der Waliser. Auch Robert Almer konnte sich anfangs bei einem wuchtigen Kopfball von Superstar Gareth Bale auszeichnen und lenkte den Ball mittels Glanzparade über das Tor.

Danach blieb das Spiel bei einsetzendem Regen offen und flott. Die Österreicher ließen die Waliser weit aufrücken, standen aber defensiv relativ kompakt, in der Offensive suchte man immer wieder den Weg über Alaba oder Zlatko Junuzovic.

In der 22. Minute fiel dann das erste Tor des Spiels, leider zu Gunsten von Wales. Bale agierte stark auf der linken Außenbahn und konnte den Ball gefährlich zur Mitte bringen, der Klärungsversuch der Österreicher scheiterte ein wenig unglücklich, so kam Joe Allen aus beinahe 20 Metern frei zum Schuß und verwertete unhaltbar für Robert Almer. Zwischenstand 0:1 für Wales!

Doch die Österreicher gaben nicht auf, drängten sofort auf den Ausgleich und wollten so schnell es ging wieder ins Spiel kommen. Nur sechs Minuten nach dem Führungstreffer der Gäste wurden sie dafür belohnt. David Alaba schickte seinen Kumpel Marko Arnautovic per Traumpass in den Sechzehner, dieser folgte ohne lange Überlegungen seinen Stürmer-Instinkten und köpfelte unter die Arme von Hennessy und in das Tor des Gegners. Zwischenstand: 1:1!

Das Spiel nahm ob der zwei schnellen Tore mehr und mehr Fahrt auf. Beide Teams waren nun im Match angekommen und spielten auf Augenhöhe. Wales wurde immer wieder durch Standardsituationen gefährlich, Österreich spielte ein prickelndes Kurzpassspiel mit hohen Flanken zum Seitenwechsel. Ein wirklich hochattraktives Fußballspiel.

Sekunden vor der Pause ereilte die Österreicher allerdings der zweite Schicksalsschlag. Nach weitem Einwurf von links durch Gareth Bale schaffte es Innenverteidiger James Chester noch vor dem etwas glücklos agierenden Kevin Wimmer an den Ball, Almer wehrte reflexartig ab, doch leider traf der Ball den am Boden liegenden Wimmer, prallte ab und landete im Netz. Zwischenstand: 1:2 für Wales!

Nachdem beide Mannschaften unverändert aus der Kabine kamen, war es Junuzovic, der den ersten Akzent in Hälfte zwei setzte. Nach einem Foul an ihm zirkelte er den daraus resultierenden Freistoß gekonnt über die Mauer, Wales-Torhüter Hennessy hielt aber ohne große Mühe.

Doch schon Augenblicke später patzte die Abwehr der Waliser. Joe Allen verschuldete einen Ballverlust an seinen Stoke-Kollegen Marko Arnautovic. Dieser ließ sich nicht lange bitten und sprintete mit dem Ball am Fuß Richtung Tor. Linksverteidiger Ben Davies kam zu spät und so schoß der England-Legionär lässig aber wuchtig zum Ausgleich ein. Zwischenstand: 2:2!

Das Spiel wurde danach ein wenig hektischer und offener. Wales versuchte immer wieder, Weltstar Gareth Bale in Szene zu setzen, scheiterte aber an der Abwehr der Österreicher oder an Robert Almer. Dieser musste jedoch in der 58. Minute vom Platz, eine Wadenverletzung machte das Weiterspielen unmöglich. Mit Ramazan Özcan war zum Glück gleichwertiger Ersatz zur Stelle. Schon nach wenigen Einsatzminuten folgte die erste echte Prüfung für ihn. Nach schnellem Spiel von Bale entschärfte er dessen „Stanglpass“ hochkarätig und sicher. Özcan zeigte es deutlich, auch er kann einen sicheren Rückhalt für die Mannschaft bieten.

Die letzten 25 Minuten dominierten die Österreicher sichtbar. Wales schien sich bereits mit einem Unentschieden abgefunden zu haben, doch besonders David Alaba und der überragende Arnautovic wollten mehr. Alaba heizte die Fans zusätzlich auf, legte dem bereits auf Zeit spielenden Gegner den Ball wenn nötig selbst zur Eckfahne und Arnautovic rackerte hinten wie vorne. Die ganze Mannschaft ließ sich mitreißen, Wimmer und Florian Klein spielten die Bälle schnell aus der eigenen Hälfte, Baumgartlinger verteilte die Bälle, wie es für einen Kapitän würdig ist. Es lief gut, und eigentlich lag die Führung für Rot-Weiß-Rot in der Luft.

Doch die Zeit war um, ein Fußballspiel dauert eben nur 90 Minuten. Die Gäste konnten mit dem Ergebnis sichtbar leben, die Österreicher wussten es wäre eventuell mehr drinnen gewesen, waren aber über den Punkt auch glücklich.

Alles in allem ein wirklich gutes Match. Marko Arnautovic wirkte spielfreudig und konnte sich auch nach dem frühen Rückstand zum Weiterarbeiten motivieren. Und auch das 1:2 kurz vor der Halbzeit ließ ihn nicht in sein altes Muster, gesenkter Blick und Schimpftiraden mit sich selbst, zurückfallen. Er behielt die Nerven und zeigte bei beiden Toren, die er schoß, dass er ein Instinktspieler ist, das Runde muss ins Eckige, mehr muss er nicht wissen. David Alaba spielte wieder auf dem Weltklasse-Niveau, wie man es von ihm bei Bayern München kennt. Die Abwehrreihe von Österreich agierte gut und effektiv, Dragovic und Klein spielten sicher, Wimmer glänzte leider nicht wirklich. Martin Hinteregger entschärfte Gareth Bale, sofern er in seine Zuständigkeit fiel, stets hervorragend. Baumgartlinger war seines Amtes würdig. Marcel Sabitzer und Marc Janko agierten bemüht, aber glücklos.  Junuzovic war zwar technisch auf Augenhöhe, musste sich in direkten Duellen mit den körperlich starken Walisern oft geschlagen geben. Die beiden Torleute zeigten, dass sie zu Recht den Rückhalt des Nationalteams bilden.

Österreich präsentierte sich als gute Einheit, die Stimmung dürfte, falls sie je gelitten hat, wieder auf dem Niveau von vor der EM in Frankreich sein. Die Laufwege und Pässe wirkten deutlich sicherer, der schnelle Abschluss wurde wieder gesucht. Das Team scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

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Fotographer: Daniel Widner, Philipp Hacker