LE MANS SERIES


FIA Le Mans Series 2016 am Red Bull Ring

Das alte Sprichwort „Was nichts kostet, ist nichts wert“ mag ja für gewöhnlich stimmen, nicht aber im Bezug auf die European Le Mans Series, kurz ELMS, am Red Bull Ring in Spielberg. Diese gastierte vom 15. – 17. Juli 2016 in der Steiermark und zeigte mit ihren Partnerserien, dass guter Rennsport nicht immer teuer sein muss.

Denn wie immer wurden bei den Verantwortlichen seitens des Red Bull Rings Nägel mit Köpfen gemacht und den Zusehern perfekte Renn-Action auch zum Nulltarif geboten. Anders als der herrliche Panis Barthez Competition © Red Ring Shots | Daniel WidnerEintrittspreis vermuten lässt, wurde nirgendwo der Sparstift angesetzt, sodass jedem der zahlreich angereisten Fans ein einzigartiges Rennwochenende geschenkt werden konnte.

Bereits am Freitag, dem großen Trainingstag zog es zahlreiche Schaulustige trotz eher bescheidener Wetteraussichten an den Ring bzw. direkt in das offene Fahrerlager. Denn immerhin wurde dort ein gewisser Fabien Barthez vermutet. Der ehemalige Weltmeister und Europameister mit Frankreichs Nationalmannschaft sitzt seit einiger Zeit selbst am Steuer und ist noch dazu 50 Prozent Anteilseigner des Teams. Die andere Hälfte gehört seinem Kumpel Olivier Panis, ehemaliger Formel1-Star, ebenfalls Franzose und standesgemäß sogar Monaco-Sieger. 1996 gewann er den Chaos-GP des Fürstentums, drei Jahre nachdem der große Fabien seinen legendären Champions League Titel mit Olympique Marseille in München erkämpft hatte. Die Verbindung der beiden heißt Panis Barthez Competition und fährt mit zahlreichen Achtungserfolgen in der ELMS.

Tatsächlich war Barthez bereits ab Freitagmorgen vor Ort und legte die ersten Testrunden in seinem Ligier JS P2 auf den Asphalt. Der Welttorhüter des Jahres 2000 zeigte sich kontaktfreudig, erfüllte geduldig Autogramm- sowie Selfiewünsche und war glücklicherweise gegenüber Red Ring Shots auch sehr gesprächig. „Fußball wird immer die Nummer eins in meinem Leben sein, diesen Sport habe ich mein ganzes Leben lang gemacht, aber was soll ich denn sonst in meiner Pension machen? Rennsport war schon immer eine große Leidenschaft und Freude von mir, da war es für mich logisch, dass ich später mal nach meiner Karriere einsteigen werde“, bekräftigte er exklusiv für uns. Dass er auch schon während seiner Profi-Laufbahn ab und zu etwas mehr als erlaubt auf das Gaspedal gestiegen ist, gab er mit einem Lächeln zu, und auf dieRenault Sport Trophy © Red Ring Shots | Daniel Widner Frage, was er zum EM-Finale sage, meinte er: „Traurig, es ist einfach traurig, weil Frankreich sich siegessicher fühlte, am Ende gewann Portugal, obwohl sie deutlich schwächer im gesamten Turnierverlauf waren, wirklich sehr schade.“.

Auf der Strecke war also bereits am ersten Tag die Hölle los, galt es doch für die Fahrer und Teams als Klassen und Partnerserien erste Erfahrungswerte am erst kürzlich asphaltierten Red Bull Ring zu sammeln. Den Anfang machten die wirklich imposanten Boliden der Renault Sports Trophy. Gut 550PS bei 1100 Kilogramm sind fantastische Werte für eine Nachwuchsserie. Die Geräuschkulisse der französischen Einheitsautos ist eine echte Ansage zu den Le Mans-Geschossen und auch die hellglühenden Carbon-Bremsscheiben an den Bremspunkten erinnern an höhere Motorsportklassen.

Es folgten die Formel-Wägen der Formel Renault sowie die frisierten Supersportler des Michelin GT3 Le Mans Cups, bevor erstmals die Prototypen der Le Mans Klassen LMP2 und LMP3 auf den Rundkurs gelassen wurden. Die gut 500PS starken Aerodynamikwunder verzückten ab der ersten Sekunde mit atemberaubenden Fahrmanövern, beeindruckender, fast schon ästhetischer Optik und brachialem Sound. Die perfekte Tonlage an diesem Wochenende: Ein vorbeifahrender Ligier LMP2, welcher gerade selbst an einem Ferrari der GTE-Klasse vorbeizieht. Trommelfellmassage und Gänsehaut, ein Gefühl wie Ostern und Weihnachten an einem Tag. Der tiefgrölende Klang des V8-Aggregats des Ligier gepaart mit dem hellen Schrei aus Maranello. Das erste Ausrufezeichen war gesetzt.

Am Samstag wurde bereits in der Früh mit Schlechtwetter gerechnet. Dieses blieb aus und die Sonne kam deutlich zum Vorschein. Bereits um kurz nach 8:00 Uhr begann das Qualifying der Renault Sport Trophy, danach folgte das zweite Training der ELMS. Nach einer kurzen aber sehr tollen Stunt- und BMX-Show der hauseigenen Red Bull-Athleten wurden die Qualifikationsläufe der Formel Renault 2.0, des Le Mans GT3 Cups sowie die der Le Mans GTE, LMP2 und LMP3 ausgetragen. Sensationell konnte der junge Paul Loup Chatin den Ligier von Panis und Barthez mit einer Rundenzeit von 1:20,700 auf die Pole Position stellen. Fabien Barthez zeigte sich natürlich begeistert und lobte ganz nebenbei den fantastischen Red Bull Ring und die Organisation um die Veranstaltung.

Auch der Adel war an diesem Tag im Glück. Ferdinand Habsburg schaffte es in der Formel Renault 2.0 nach einem spannenden Kampf um den Sieg auf das Siegerpodest. Ein toller Erfolg für den jungen und talentierten Nachwuchsfahrer.

Der Renn-Sonntag begann ebenfalls bereits früh. Noch vor dem Pitwalk gab es für die zahlreich erschienenen Fans auf den Tribünen mit der Formel Renault Qualifying Session 2 und dem zweiten Rennen der Renault Sport Trophy Motorsport total. Die Einheitsautos mit Carbon-Chassis von Dallara, ihren 3,8 Liter doppelt aufgeladenen V6-Motoren von Nissan wussten neben den Le Mans-Boliden an diesem Wochenende wirklich zu überzeugen. Auch das zweite Rennen war daher sehr spannend. Berührungen sowie Dreher waren natürlich keine Seltenheit und der Strafenkatalog der FIA lief aufgrund der beliebten „Track Limits“ quasi heiß.

Philipp Hacker & Fabien Barthez © Red Ring Shots | Daniel WidnerEin weiterer Leckerbissen war der Pitwalk mit der Autogramm-Session. Jeder der ELMS-Fahrer nahm sich Zeit und schrieb Autogramme oder erfüllte Selfie-Wünsche. Auch das Team rund um Fabien Barthez hatte seine Fahrer eigens vor der Box positioniert, um die Fans zu beglücken. Keine Frage, der ehemalige Fußballer sorgte für Ausnahmezustand. Gefühlt jeder Zuschauer kam von seiner Tribüne, um eine Unterschrift von Frankreichs National-Glatze zu bekommen. Red Ring Shots war währenddessen auf Einladung des Teams im Back-Office der Box und sprach mit dem gut gelaunten Teamchef Olivier Panis. „Warum ich nicht auch selbst fahre ist ganz einfach, ich will nicht mehr, sollen die Jungen fahren, ich manage das lieber im Hintergrund“, so Panis gegenüber Daniel Widner. Ob er seine Zeit in der Formel 1 oder die Formel 1 selbst vermisse, verneinte er: „Ich hatte eine großartige Zeit, die Formel 1 war zu meiner Zeit echt toll. Aber um ehrlich zu sein, meine Zeit ist vorbei, ich vermisse sie nicht und ich schaue nach vorne, auf all die jungen Fahrer, die nachkommen. Es macht mir sehr viel Spaß, sie zu fördern.“ Und natürlich spricht man in so einem Gespräch auch die derzeitige Monotonie der vermeintlichen Königsklasse an: „Es ist schwer zu sagen für mich.“, so Panis. „Die Formel 1 wird immer ein Teil von meinem Blut sein, ich will sie eigentlich nicht kritisieren, aber es ist nicht die Formel 1, die ich sehen will momentan. Die Motoren sind nicht tragbar, die Reifensituation und auch dieses Sprit-Sparen sind für mich nicht würdig. Eine Rennrunde sollte für mich so intensiv wie eine Qualifyingrunde gefahren werden können. Für die Zuseher sind all die Strafen und das Reglement nicht mehr zu verstehen“. Deutliche Worte von jemandem, der guten Einblick in die Materie hat.

Noch vor der kurzen Mittagspause ging das zweite Rennen der Formel Renault 2.0 an diesem Wochenende über die Bühne. Danach folgte eben besagte Pause, welche durch den Photocall der Gridgirls versüßt wurde. Im Anschluß kam es zum actionreichen, mit einer Safety-Car-Phase angereicherten dritten Wertungslauf der Renault Sport Trophy, bevor es wieder eine Unterbrechung mit sehenswertem Rahmenprogramm gab.

Team G-Drive © Red Ring Shots | Daniel WidnerUm Punkt 14:00 startete das eigentliche Highlight der gesamten Veranstaltung. Die Motoren der Ligiers, Ferraris, Porsches und Aston Martins heulten brachial auf und es ging in die Einführungsrunde des vierstündigen Ausdauerrennens der European Le Mans Series rund um den Stier des Bullenimperiums. Der Start erfolgte wie immer fliegend und schon in den ersten Runden musste der auf Pole-Position gestartete Startfahrer Timothé Buret vom Team Panis Barthez Competition harte Schläge von der Konkurrenz einstecken. Etwa 15.000 Zuseher sahen packende Zweikämpfe, Überholmanöver am Limit und zahlreiche Carbonteile in der Luft. Buret gab recht schnell seine Führung ab und so ging Barthez nach der Cockpitübergabe nur noch als Siebenter ins Rennen zurück. Zu diesem Zeitpunkt führte bereits sein Landsmann Pierre Thiriet souverän. Damit hatte er für sich und sein Team, Thiriet by TDS Racing eine ideale Ausgangslage für den Sieg geschaffen, schließlich zerfleischte sich die Konkurrenz hinter ihm im Feld. Das Fahrer-Trio von Thiriet legte eine starke Performance hin, schaffte die Fahrerwechsel immer schnell und fuhr konstant gute Rundenzeiten. Am Ende konnten sie das Vier-Stunden-Rennen der European Le Mans Series tatsächlich gewinnen und bejubelten schon im Parc Fermé ausgelassen ihren Sieg in der LMP2.

FIA Le Mans Series © Red Ring Shots | Daniel WidnerEine große Überraschung in dieser Klasse war auch das Team G-Drive, welches in seinem bereits acht Jahre alten Gibson mit Nissan Motor bis kurz vor Schluss noch um den Sieg gekämpft hatte, aber dann wegen einer Kollision auf den trotzdem beachtlichen dritten Platz zurückgefallen war. In der LMP2-Klasse sorgte erst ein Urteil nach Rennende für Klarheit bezüglich des Siegers. Durch die Belegung des ursprünglichen Siegerteams mit einer Zeitstrafte ging der Sieg auf das Team von United Autosports rund um die Multimillionäre Zak Brown und Mark Patterson. über. Besondere Freude darüber hatte wohl Alex Brundle, Sohn von F1-Legende und BBC-Reporter Martin Brundle, welcher ebenfalls für das United Autosports Team am Steuer saß.

Die wirklichen Gewinner waren aber an diesem Wochenende definitiv die Motorsportfreunde auf den Rängen. Das Wetter blieb trotz einiger dunkler Wolken trocken, der Red Bull Ring präsentierte sich nicht zuletzt dank dem offenen Fahrerlager großartig und in gewohnt lockerer Atmosphäre. Die Action auf der Strecke überbot wie schon so oft alle Erwartungen. Motorsport hautnah bei freiem Eintritt erlebt man heutzutage leider eher selten. Schon gar nicht mit echtem Le-Mans-Feeling, inklusive Fahrerwechsel und Nachtanken. Es wurde einfach hochklassiger Rennsport zum Nulltarif geboten. Red Ring Shots vergibt daher sechs von fünf möglichen imaginären Sternen für das Event!

Text: Daniel Widner, Philipp Hacker

WEBSITE: http://www.europeanlemansseries.com

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Fotographer: Daniel Widner, Philipp Hacker
Tags: FIA,FIA Le Mans Series, Fabien Barthez