EUROPEAN LE MANS SERIES 2017 AM RED BULL RING


Die 24 Stunden von Le Mans, die 24 Stunden von Daytona und der Formel 1 Grand Prix von Monaco, die drei wohl prestigeträchtigsten Rennen im Motorsport. Der Niederländer Jan Lammers kämpfte vier Mal in seiner F1-Karriere um einen Startplatz im Fürstentum, siegte 1990 in Daytona und 1988 holte er sich sogar den Titel im Nordwesten Frankreichs. Und nun fährt dieser Le Mans-Veteran mit seinen 60 Jahren in der dazu passenden Rennserie, in der European Le Mans Series. Und eben diese war vom 21. – 23. Juli 2017 zu Gast am Red Bull Ring.

Jan Lammers | ELMS 2017 © Philipp Hacker | Red Ring ShotsMit ihm jagten zahlreiche arrivierte Renn-Asse, aufstrebende Talente und Frankreichs Nationalheld Fabien Barthez um den Rundkurs im Herzen der Steiermark. Der Weltmeister von 1998, Europameister und Welttorhüter des Jahres 2000, sogar mit seinem eigenem Team, Panis Barthez Competition. Wie der Name schon verrät, ist auch sein Kumpel Olivier Panis, Sieger des F1 Grand Prix von Monaco 1996, mit an Bord. Barthez und seine Mitfahrer geben kräftig Gas, während Panis im Hintergrund die Fäden zieht und das Team führt, eine schlagfertige Kombination.

Insgesamt waren in Spielberg 36 Le-Mans-Rennwagen am Start, 13 davon in der LMP2-Klasse, 17 Boliden in der LMP3 und weitere sechs in der GTE. Vollcarbon-Monocoque, Carbonbremsen, sequentielle halbautomatische Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung und V8-Motoren mit gut 500PS gehören zur Serienausstattung der LMP2-Geschosse. Echte Sportwagen-Prototypen, nichts Alltägliches. Die Hersteller sind Legenden ihrer Branche und hören auf Namen wie Ligier, Dallara oder etwa Oreca. Diese Kisten sind technische und aerodynamische Wunderwerke, die gerne am Limit bewegt werden. Ihr Äußeres ist ebenso schön wie der Sound, der ihre Auspuffrohre verlässt. Knatterndes, aggressives V8-Gebrüll, selbst für harte Benzinbrüder auf den Tribünen oft nur mit Gehörschutz zu ertragen, ein Klang, den man in anderen Serien heutzutage oft vermisst.

Panis Barthez Competition | ELMS 2017 © Daniel Widner | Red Ring ShotsPilotiert wurden die Fahrzeuge von etwa 100 Fahrern aus allen Ecken und Winkeln der Welt, 21 verschiedene Nationen wurden von den Veranstaltern angegeben. Und jeder Einzelne kämpfte bis aufs Letzte um wichtige Punkte für die Meisterschaft. Berührungen und Lackaustausch gehörten quasi zum guten Ton, Mut und gleichzeitiges Feingefühl entschied über Sieg und Niederlage. Überholmanöver bei gut 300km/h verlangten danach. Glühende Bremsscheiben, schwarze Gummispuren und fliegende Carbon-Teile verzückten die Motorsport-Fans auf den Rängen. Hochtechnologisierten Kohlefaser-Boliden beim Kampf zusehen, und das über eine Dauer von vier Stunden, was kann es schöneres geben?

Ein kurzes Verschnaufen für Mensch und Maschine gab es nur bei den Boxenstopps, da wurde getankt sowie fleißig Duck-Tape geklebt, Reifen und Piloten wurden gewechselt. Was sich auf der Piste nicht kaltverformen ließ, drohte oftmals schon bald zu brechen.

Doch auch abseits der Rennstrecke kamen die zahlreich erschienenen Zuseher auf ihre Kosten, und das kostenlos, schließlich war der Eintritt frei. Ein offenes Fahrerlager gewährte begeisterte Blicke auf das Heiligste im Motorsport, die Technik. Eine Autogramm-Session am Sonntagvormittag versorgte die glückliche Meute mit Unterschriften und Selfies der Stars und auch während der Startaufstellung zeigte sich so mancher Rennfahrer kontaktfreudig.

 ELMS 2017 © Daniel Widner | Red Ring ShotsIm Wertungslauf selbst ging es heiß her. Die Pole-Setter von G-Drive (RUS) setzten mit ihrem Startfahrer Léo Russel (FRA) auf das richtige Pferd. Der junge Franzose enteilte dem Feld, während es hinter ihm bereits in der ersten Kurve kräftig schepperte. Doch das Glück verließ das Team beim zweiten Stint von Russel, der Oreca 07 – Gibson kam ob eines technischen Gebrechens ins Stottern. Begünstigt dadurch kam das US-Team United Autosports zu einer unverhofften Führung. Die Amerikaner hatten sich im bisherigen Rennverlauf für einen ungewöhnlich langen ersten Stint ihres Startfahrers Hugo de Sadeleer (CHE) entschieden, was auch für den darauffolgenden Fahrer William Owen (USA) noch Vorteile hatte. Diese Taktik ermöglichte quasi eine freie Fahrt an die Spitze ohne viel Verkehr.

Nach 169 hart umkämpften Runden wurde das US-Team als Sieger abgewunken. Filipe Albuquerque brachte den Ligier JS P217 mit nur 4,5 Sekunden, knapp aber doch, als Erster über die Ziellinie.

 ELMS 2017 © Daniel Widner | Red Ring ShotsEin großartiger Erfolg für United Autosports, eine bittere Niederlage für G-Drive. Das Team von Olivier Panis und Fabien Barthez schaffte es auf den sehr guten fünften Platz, das bisher beste Ergebnis seit dem Einstieg in die ELMS. Jan Lammers und Teamkollege Frits Van Eerd beendeten das Rennen in ihrem Dallara auf dem siebten Rang. In der LMP3-Klasse hießen die Sieger Mondini und Uboldi auf Ligier, in der GTE konnten Camaron, Griffin und Scott im Ferrari 488GTE jubeln.

Wie immer am Red Bull Ring waren aber die Fans auf den Tribünen die wahren Sieger. Denn im Gepäck hatte die European Le Mans Series auch die Formel Renault und den Le Mans Cup. Von früh bis spät war also Renn-Action geboten. Kaum ein Moment, an dem nicht ein Bolide an den Rängen vorbeidonnerte. Das bereits oben erwähnte Rahmenprogramm rundete das perfekte Rennwochenende noch zusätzlich ab, auch das Wetter spielte stets mit, Kaiserwetter bis zum Schluss. Wer dieses Jahr nicht dabei war, hat definitiv viel verpasst, aber muss nicht lange traurig sein, die ELMS kommt 2018 wieder, keine Frage.

EVENT-WEBSITE: www.europeanlemansseries.com