DTM am Red Bull Ring – Sieg für Ingolstadt


Der vorletzte Lauf der DTM-Saison ging am Red Bull Ring in Spielberg über die Bühne. Wie in dieser Rennserie üblich, lagen Sieg und Niederlage sehr nah beieinander. Am Ende triumphierte Audi, protestierte BMW und weinte Mercedes-AMG.

 

Lucas Auer, Mercedes-AMG, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring ShotsDoch immer schön der Reihe nach. Erster offizieller Arbeitstag am Red Bull Ring war der Freitag. Lokalmatador und Publikumsliebling Lucas Auer knallte im ersten Training gleich die zweitschnellste Zeit auf den Asphalt. Etwas mehr als zwei Hundertstel Rückstand auf Jamie Green im schnellen Audi. Das machte vorerst durchaus Hoffnung. Schließlich relativierte Luggi Auer seine Erfolgschancen schon vor dem Training, galten die Flitzer aus Ingolstadt doch als deutlich stärker auf der Strecke in Spielberg. Die Ernüchterung kam daher schon bald. Für das zweite freie Training hatten die Audi-Mechaniker an den richtigen Schrauben gedreht. Die RS5-Boliden liefen in Optimalform und somit gingen die ersten vier Plätze des Übungslaufes an Audi. Sternenkrieger Auer, sowie seine Markenkollegen Mortara und Paffett, waren dahinter gereiht. BMW war abgeschlagen und wirkte eher kampfunfähig oder unwillig. Die letzten vier kamen aus Bayern, soviel dazu. Doch noch war genügend Spielraum für den einen oder anderen Bluff, denn im Prinzip ging es ja um nichts.

Mercedes-AMG, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-229Schwer zu sagen ob BMW tatsächlich getäuscht oder hart am Wagen gearbeitet hat, aber im ersten Qualifying sah die Welt für die Motoren Werke schon wieder deutlich rosiger aus. Marco Wittmann stellte seinen BMW M4 DTM auf die Vier, seine Markengenossen waren knapp dahinter. Mercedes-AMG war geschlagen, Audi dafür unschlagbar, zumindest im Zeittraining. Jamie Green holte sich die Pole, Nico Müller gesellte sich ebenfalls in die erste Startreihe. Beide übrigens die einzigen Piloten unter einer Zeit von 1:22.000. Bester Mercedes-Fahrer in der Startaufstellung war Robert Wickens als Siebter, für die anderen wurde es schon zweistellig. Mit P12 hatte sich Auer keine Idealbedingungen für das erste von zwei Heimrennen geschaffen.

Mattias Ekström, Audi RS5, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-255Das erste Rennen startete hitzig aber keineswegs überaggressiv. Auer kam wie der Großteil des Feldes gut weg, baute aber deutlich mehr Druck nach vorne auf als er von hinten bekam. Runde um Runde arbeitete sich der Tiroler an den Gegnern vorbei. Weiter als bis P8 kam er jedoch nicht, zu dicht der Verkehr vor ihm. Ganz ohne Hindernisse konnte Jamie Green fahren. Der Brite erledigte lange Führungsarbeit, doch Mattias Ekström kam immer näher je älter das Rennen wurde. Wenige Runden vor Schluß war es dann so weit – Führungswechsel, natürlich ohne relevante Gegenwehr, denn Markenkollegen passen aufeinander auf.

Abgewunken wurde ein Dreifach-Sieg der Audis mit einer unfassbaren Gap von beinahe 22 Sekunden auf den viertplatzierten Robert Wickens im Mercedes-AMG C63 DTM. Dominanz sieht anders aus, Vernichtung trifft es eher.

DJamie Green, Audi, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-112er Sonntag begann wie der Samstag endete. Kaiserwetter, viele gutgelaunte Fans auf den Tribünen sowie im Fahrerlager und die Audis lagen auch wieder ganz vorne an der Spitze. Einzig Gary Paffett im C63 AMG konnte mit P4 im dritten freien Training einen Keil zwischen die Ingolstädter treiben. Und wieder waren die Herren aus Bayern am Endes des Feldes zu finden. Auch die Qualifikation zum zweiten Wertungslauf war eine Kopie vom Vortag. Allerdings schaffte es Wittmann diesmal auf die Drei, Lucas Auer nur auf den letzten Platz und Jamie Green wieder auf die Pole Postion. René Rast holte sich den zweiten Startplatz, BMW war abermals im Mittelfeld zu finden. Nach dem Qualifying wurde Loic Duval auf den letzten Marco Wittmann, BMW M4 DTM, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-188Platz strafversetzt, somit gewann Auer zumindest eine Position.

Das Rennen begann turbulent und mit einigen Berührungen in den ersten beiden Kurven. Auer preschte sofort fünf Plätze nach vorne, musste nach einem Boxenstop aber wieder von ganz hinten Jagd machen. Das gelang ihm auch sensationell. Abermals erkämpfte sich der Österreicher mit F1-Ambitionen eine Position nahe der Punkteränge. Doch wenige Runden vor Schluss, wurde er von Bruno Spengler unsanft berührt. Sein Mercedes drehte sich, prallte in die Leitschiene und wurde stark beschädigt. Das Safety-Car rückte aus, das Rennen wurde neutralisiert und Auer schleppte sich mit letzter Kraft zurück an die Box, um seinen Boliden dort abzustellen. Die Titelträume waren damit wohl dahin. Nachdem der Lauf wieder freigegeben wurde, ereilte auch Jamie Green das Pech. Der Langzeitführende wurde immer langsamer, ein Defekt an seinem Audi RS5 DTM machte sich bemerkbar. Den Sieg erbte René Rast, vor Mike Rockenfeller und Nico Müller. Mattias Ekström sammelte als Fünfter wichtige Punkte für das Finale in Hockenheim. Marco Wittmann und BMW Marco Wittmann, BMW M4 DTM, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-188tobten nach der Zielflagge, Audi hätte gegen Ende des Rennens unsportlich agiert, so das Argument. Die bayrischen Proteste verliefen jedoch im Sand, zu deutlich die Dominanz der Ingolstädter.

Für die gut 35.000 Zuseher war das DTM-Wochenende ein spannendes und erlebnisreiches Motorsportfest. Zwar konnte Lucas Auer vor heimischer Kulisse nicht mit Ergebnissen überzeugen, jedoch zeigte der Kufsteiner eine unglaubliche Einsatzfreude und Leistungsbereitschaft. Besonders seine unbelohnte Aufholjagd sorgte, ob seines Talents, für begeisterte Gesichter und Sonderapplaus bei seiner Rückkehr in die Boxengasse.

Die DTM ist nach der Formel 1 und der MotoGP die dritte echte Größe im europäischenGerhard Berger, ITR, DTM 2017 Red Bull Ring © Red Ring Shots-261 Motorsport. Umso trauriger ist der Ausstieg von Mercedes-Benz ab dem Jahr 2019 zu werten. Aufgrund des enormen Umfangs der Teams wird es für ITR-Geschäftsführer Gerhard Berger sehr schwer werden, passenden Ersatz zu finden. Während so mancher Insider bereits schwarz und die DTM sterben sieht, hoffen Motorsport-Enthusiasten auf ein weiterleben. Zu wichtig ist die DTM für den Sport, nicht zuletzt dank ihres überschaubaren Regelwerks und der daraus resultierenden Authentizität im direkten Renngeschehen. Die Boliden klingen wie sie eben klingen müssen, die Endrohre knallen und gurgeln herrlich, die Saugmotoren schreien und brüllen. Die Rennserie wirkt offener und näher an den Fans als viele andere es tun. Rennfahrer zum Anfassen, Motorsport der alten Schule – Hoffen wir, dass es ein Leben nach Mercedes geben wird. 2018 wird die Krone der „Deutschen Tourenwagen-Masters“ noch umkämpft sein, und sie wird wieder an den wunderbaren Red Bull Ring kommen!

Karten sichern, es wird sich lohnen!

EVENT-WEBSITE: www.dtm.com

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