DTM 2016


DTM 2016 / Red Bull Ring / Spielberg / Austria

Zum sechsten Mal in Folge gastierte die DTM am Red Bull Ring in Spielberg im Herzen der Steiermark. Mit im Gepäck hatte sie zwei tolle Partnerserien, schnelle Autos, atemberaubende Manöver, furchtlose Piloten und einen Sound, der wohl aktuelle Formel 1-Piloten vor Angst zum Weinen bringen würde. Hinzu kamen perfektes Wetter und eine noch perfektere Rennstrecke. Der Red Bull Ring und die DTM, eine Kombination, wie man sie nur selten zu sehen bekommt und die daher ein echter Leckerbissen für Freunde des gepflegten Motorsports ist.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag kämpften die DTM-Piloten in ihren rund 500PS starken Boliden um wichtige Punkte für die noch junge DTM-Meisterschaft. Dazwischen jagten die übermotorisierten Seifenkisten der Formel 3 und die Männerträume des Porsche Cups rund um den Kurs im Murtal. Wem da langweilig wurde, war entweder blind und taub oder hatte das dritte Lebensjahr noch nicht absolviert.

Red Ring Shots war ab Freitag vor Ort und konnte sich auch dank einer Einladung von Mercedes Benz AMG in das teameigene Hospitality einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen der wohl besten europäischen Rennserie verschaffen. Neben den Teammitgliedern und Fahrern trafen wir da auf so manchen Prominenten und ehemaligen F1-Star.

Schon am Freitag, dem ersten Tag des Events präsentierte sich die DTM typisch offen und publikumsnahe. Den Fans wurde viel Freiraum gewährt, die Fahrer gaben gerne Autogramme, und immer wieder gab es die Möglichkeit, dem einen oder anderen Star über den Weg zu laufen. Großen Anteil daran hatte das gut durchdachte Areal des Red Bull Rings, welches einen kontrollierten aber erwünschten Zugang der Fans zu Teams und Piloten erst möglich machte. Natürlich war Österreichs Aushängeschild Lucas Auer ein begehrter Blickfang, daher wurde das Mercedes Motorhome teilweise belagert, um an ein Autogramm oder ein gemeinsames Foto mit dem Youngster aus Tirol zu kommen.

Doch auch sportlich bot der Freitag schon Ansprechendes. Neben dem ersten freien Training und den Qualifyings der Formel 3 sowie der Trainingssession des Porsche Carrera Cup Deutschland absolvierten auch die DTM-Maschinen ihre ersten Kilometer über den Rundkurs. Tom Blomquist (GBR) dominierte das Freitags-Training und konnte als einziger Pilot eine Zeit unter einer Minute und 24 Sekunden herausfahren. Lucas Auer wurde als zweitbester Mercedes-Pilot mit nur sieben Zehntel Rückstand als Neunter gezeitet. Sein Markenkollege Maximilian Götz (GER) ließ mit einem relativ überraschenden vierten Platz im Training aufhorchen und Mercedes Benz, neben Audi und BMW einer der drei Premiumhersteller in der DTM, für die am Samstag anstehenden Durchgänge guter Dinge sein. Sogar Norbert Haug, ARD-Experte und ehemaliger Mercedes-Motorsportchef, zeigte sich angetan und sichtlich überrascht. Beim abendlichen Medienempfang im Hospitality der Stuttgarter war die Stimmung dementsprechend gut und so gesellten sich auch ehemalige Motorsportler wie etwa Karl Wendlinger dazu, um noch etwas Fachwissen auszutauschen. Man ließ den Tag gemütlich ausklingen, wirklich zählbare Ergebnisse sollte ja erst der Samstag liefern.

Dieser begann, wie der Freitag aufgehört hatte, mit viel Sonne und idealem Motorsportwetter. Keine Wolke war über dem großen Stier inmitten des Rings zu sehen, und so zog es nochmals spürbar mehr Zuseher in das Motor-Mekka Österreichs. Pünktlich um 9:45 wurden die ersten Zündungen durchgeführt und die Porsches von der Leine gelassen. Die Zuffenhausener Edelwagen absolvierten ihren ersten Qualifying-Lauf, bevor das erste Rennen der Formel 3 abgehalten wurde. Das Rennen der Formel-Klasse verlief völlig untypisch. Die ersten Kurven waren quasi unfallfrei, jedoch kam es sieben Minuten vor Rennende zu einem tragischen Unfall. Der Chinese Zhi Chong Li übersah den davor durch das Kiesbett wieder auf die Strecke geschleuderten Amerikaner Tveter und krachte ungebremst in dessen Heck. Li wurde einige Meter in die Luft katapultiert und überschlug sich vor seiner Landung in der Auslaufzone mehrfach. Der nachkommende Pedro Piquet (BRA), Sohn von F1-Legende Nelson Piquet, konnte dem ganzen Szenarium unmöglich ausweichen und wurde ebenfalls in die Kollision verwickelt. Alle drei Autos waren vollkommen zerstört, Piquet und Tveter konnten ihre Fahrzeuge beziehungsweise das, was davon übrig war, selbstständig verlassen. Der Nachwuchsfahrer aus dem Reich der Mitte war offensichtlich schwerer verletzt und musste geborgen werden. Er wurde per Helikopter ins Krankenhaus geflogen. Trotz vier gebrochener Wirbel und diversen anderen Frakturen konnte bereits am Nachmittag Entwarnung gegeben werden. Das Rennen wurde mit roter Flagge abgebrochen, aber komplett gewertet.

Es folgte ein breites Eventprogramm, welches Red Bull und die Veranstalter von Projekt Spielberg wieder perfekt organisiert hatten. Die Fans wurden von ihren Tribünen losgeeist und bekamen knackige Grid Girls, traktorfahrende DTM-Piloten und Hektik in so mancher Formel 3-Box zu sehen. Besonders viel geschraubt wurde in der Service-Zone des jungen Piquet, galt es doch seinen Wagen für das zweite Rennen des Tages wieder aufzubauen. Selbst sein Vater und wohl auch Mentor Nelson Piquet, Weltmeister der F1 von 1981, 1983 und 1987, half im Lacoste-Shirt sowie mit Rolex-Uhr am Arm fleissig mit. Keiner füllt so liebevoll Bremsflüssigkeit in ein Rennauto wie ein liebender Vater. Tatsächlich schaffte es das Team mit vereinten Kräften, den Wagen zu reparieren, und so konnte der junge Brasilianer im zweiten Punktelauf, anschließend an das zweite freie Training der DTM, wieder an den Start gehen. Leider entpuppte sich die Arbeit als sinnlos, Piquet musste bereits nach wenigen Runden sein defektes Fahrzeug abstellen.

Während man in seinem Team noch den Fehler suchte, machte sich sein Vater Nelson auf die Suche nach jemand anderem. Niki Lauda war mit Frau und Kindern in Spielberg angekommen und so kam es im Hospitality von Mercedes zu einem sichtlich freudigen Wiedersehen der zwei Legenden. Auch wenn Lauda gerne behauptet er hätte keine Freunde auf dieser Erde, eine derart innige Umarmung lässt anderes vermuten. Natürlich war der Unfall von Piquets Sohn das erste Gesprächsthema der beiden Experten.

Das noch ausstehende erste Qualifying der DTM verzögerte sich ein wenig, wurde aber natürlich in voller Länge durchgezogen. Nun schlugen die BMWs eiskalt zu. Die Pole-Position sicherte sich Marco Wittmann (GER) vor dem Briten Tom Blomqvist. In Reihe zwei lauerten die beiden Audis von Adrien Tambay (FRA) und Eduardo Mortara (ITA). Bester Mercedes war Schotte Paul Di Resta. Lucas Auer ging nur von Startplatz 20 ins Rennen.

Der erste Meisterschaftslauf an diesem Wochenende startete gegen 17:50 Uhr und lockte die Zuseher ein letztes Mal an diesem Tag aus der Reserve. Zwar fuhr Marco Wittmann zu einem beinahe ungefährdeten Start-/Zielsieg, jedoch kämpften die Akteure hinter ihm um jeden Millimeter. Wie es sich für ein gutes Motorsportereignis gehört, gab es Dreher, Rauch und Aufholjagden. Dazu das unbarmherzige Gebrüll der Motoren und herrlich beruhigendes Benzin-Gummi-Aroma in der Luft. DTM-Rennen sind einfach etwas Eigenes und Besonderes, selten sieht man so hart geführte Zweikämpfe, aber eine doch so faire Fahrweise wie in dieser Meisterschaft. Man drängt sich gegenseitig in die Ecke, aber lässt dem Anderen den Raum zum Überleben. So wie es sich gehört.

BMW feierte am Ende des Tages einen Doppelsieg, Blomqvist im Audi brachte den dritten Platz mit großem Vorsprung auf Timo Glock, ebenfalls BMW, ins Ziel. Überhaupt standen fünf Flitzer aus Bayern in den ersten Sechs, ein riesen Erfolg also. Bester Mercedes war Paul Di Resta auf dem siebenten Platz. Lucas Auer wurde sehr zur Enttäuschung von ihm und seinen Fans nur Vorletzter. Somit verließen die viele Zuseher die Tribünen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zwar war der Renntag grandios, das schlechte Abschneiden von Auer trübte die Stimmung ein wenig.

Der Wahl-Sonntag begann für das RRS-Team mit einem flotten Wahlgang und einer noch viel flotteren Anreise nach Spielberg. Pünktlich um neun Uhr hatten wir einen exklusiven Interview-Termin mit Lucas Auer im Hospitality von Mercedes. Der Kufsteiner stand offenherzig Rede und Antwort und zeigte, dass er ein wirklich witziger und sympathischer Gesprächspartner ist. Mercedes hatte glücklicherweise bereits die Ursache für das insgesamt schlechte Abschneiden vom Vortag gefunden. Die Reifen kamen nicht auf Temperatur, somit war der Grip auf der neu asphaltierten Strecke nicht gut genug für anspruchsvolle Rundenzeiten. Man glaubte, den Fehler ausbessern zu können und gelobte Besserung. Doch schon im nach der Mittagspause abgehaltenen Qualifying zum zweiten Lauf zeigte sich Mercedes wieder chancenlos gegen BMW und Audi. Die Herren der Ringe aus Ingolstadt platzierten ihren Star Jamie Green zwei Tausendstel Sekunden vor dem BMW von da Costa. Timo Glock lauerte dahinter auf Startplatz drei. Bester der abgeschlagenen Mercedes war Robert Wickens (CAN) in Reihe acht, gleich hinter ihm unser Alpen-Hero Lucas Auer. Die Differenz zwischen Green und Auer betrug lächerliche vier Zehntel Sekunden. Unfassbar wie eng es in der DTM ist. Der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist minimal. Der Grund-Speed des jungen Tirolers passt eindeutig, die Komponente Fahrzeug war an diesem Wochenende wohl wenig ideal.

Nach einem Pitwalk und einem kleinen Konzert des Steirers Lemo für die Zuseher wurden die DTM-Aggregate ein letztes Mal 2016 in Spielberg gezündet. Der Start und die ersten beiden Kurven, genannt Castrol– bzw. Remus-Kurve, verliefen überraschend ruhig. Erst nach den zwei Zonen mit der größten Crashgefahr ging es richtig heiß her. Timo Glock übernahm nach harten Zweikämpfen und den daraus freilich resultierenden Folgen die Führung. Trotz intensiver Versuche seiner Konkurrenten, ihm diese streitig zu machen, konnte er sich gegen Ende des Rennens ein wenig absetzen und einen deutlichen Sieg einfahren. Pole-Setter Jamie Green (GBR) landete schließlich noch auf dem dritten Platz, ebenfalls deutlich geschlagen von Mattias Ekström (SWE) auf dem zweiten Platz. Glock feierte seinen Sieg mit einer großen Champagnerdusche für alle Anwesenden. Die Fans auf den Tribünen freuten sich sichtlich mit ihm. Lucas Auer belegte zwar nur den 16. Platz, konnte aber immerhin den eigenen Teamkollegen Christian Vietoris (GER) hinter sich lassen. Trotzdem wird er wohl, anders als die Zuschauer, versuchen, dieses Wochenende in Spielberg so schnell wie möglich zu vergessen.

Alles in allem hat die DTM, oder TTM wie sie laut einem deutschen Streckenposten bei uns ausgesprochen wird, auch dieses Jahr wieder bezaubert. Sie ist eine einfache und unkomplizierte Rennserie, die durch Zweikämpfe, Fahrkunst, Emotionen und Mut glänzt. Mehr braucht man aber auch nicht, um das Benzin im Blut der Fans aufkochen zu lassen. Dazu gibt es besonders in Spielberg eine tolle Rahmenshow und einen tollen Rundkurs. Es ist also wirklich ein jeder selbst schuld, der 2017 nicht live dabei ist. Das kleine Eintrittsgeld lohnt sich!

 

Weitere Stationen der DTM 2016:
03.06. – 05.06. Lausitzring (DE)
24.06. – 26.06. Norisring (DE)
15.07. – 17.07. Zandvoort (NL)
19.08. – 21.08. Moskau (RU)
09.09. – 11.09. Nürburgring (DE)
23.09. – 25.09. Budapest (HU)
14.10. – 16.10. Hockenheim II (DE)

DTM-Website: www.dtm.com

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Fotographer: Daniel Widner, Philipp Hacker