DIE DTM IN SPIELBERG


Der spürbare aber leise Abgang der Sternenkrieger

Die DTM ist nach der Formel 1 und den großen amerikanischen Rennserien wohl die legendärste und wichtigste aller Straßenmeisterschaften im Motorsport. Umso mehr schmerzt es daher, dass mit dem nahenden Abgang vom Mercedes-AMG auch in der Serie selbst eine Art Endzeitstimmung zu spüren ist. Das Ausscheiden von Mercedes Benz aus der DTM ist seit langem kein Geheimnis mehr und daher hat es rückblickend auf den Saisonverlauf doch überrascht, dass die Silberpfeile mit zwei Fahrern an der Spitze der Meisterschaft nach Spielberg anreisten. Gary Paffett und Paul Di Resta waren in Führung vor dem Audi-Star Rene Rast. Sportlich also alles in Butter für die Stuttgarter, bisher.

Lucas Auer Mercedes AMG DTM 2018 Spielberg © Red Ring ShotsEine weitere erfreuliche Sache kam noch hinzu: Rallye-Großmeister Sébastien Ogier war als Gaststarter gemeldet was natürlich für jede Menge Spannung sowie gutgesinnte Schlagzeilen in den Medien sorgte. Ogier auf den Spuren von Autofahr-Gottheit Walter Röhrl, dem Mann der einst die Nacht von Arganil zum Tag machte und der in einer Hochphase der DTM 1990 einem gewissen Hans-Joachim Stuck als Edeldomestik diente, ein echter Gewinn für eine angeschlagen wirkende Rennserie.

Nicht zu übersehen war allerdings die im Vergleich zu den letzten Jahren winzig wirkende Hospitality von Mercedes, sowie die deutlich verminderte Präsenz von Sponsoren der Stuttgarter. Während im letzten Jahr der österreichische Wasserverbesserer BWT im gesamten Fahrerlager mit einem Marketingpalast und einer beinahe unendlichen Anzahl an Goodie-Bags für Furore unter den Fans sorgte, war dieses Jahr nicht viel davon zu sehen. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass Mercedes nur noch das nötigste nach Spielberg lieferte. Eventuell ein subjektiver Eindruck, sicher aber einer den einige Zuseher vor Ort hatten.

Ogier auf den Spuren von Röhrl

Sébastien Ogier schraubte schon von Beginn an die Erwartungen an ihn in den Keller. „Es ist eine Ehre für mich, ein DTM-Rennen zu fahren. Mein Ziel ist es, Spaß zu haben und ich möchte auf keinen Fall einen der Fahrer stören. Auch wenn man meinen könnte, dass mir die wechselhaften Bedingungen entgegenkommen, wird es sicher sehr schwierig, weil ich noch nie in einem DTM-Auto bei Rennen gefahren bin.”, so der fünffache Wald-und-Wiesen-Weltmeister.

Sebastien Ogier Mercedes AMG DTM 2018 Spielberg © Red Ring ShotsIm ersten Training konnte er neben dem Österreicher Lucas Auer tatsächlich ein wenig überraschen und verwies die beiden BMW-Piloten Philipp Eng (AUT) und Bruno Spengler (CAN) auf die beiden letzten Ränge. Doch der Franzose merkte bereits am Samstag nach dem Qualifying, welches er als letzter beendete, an, dass er mit der Umstellung auf die hochtechnologisierten DTM-Autos besonders bei schlechten Bedingungen ernste Probleme hat. Umso überraschender kam daher sein zwölfter Platz im darauf folgenden Rennen 1. Immerhin ein Rang vor Ex-Champ Pascal Wehrlein. Doch neben der Begeisterung für die wackere Arbeit von Ogier, gab es ein wenig Entsetzen über die Leistung von Audi. Die Ingolstätter lieferten eine beinahe fehlerfreie Arbeit ab und konnten das Podium vollkommen einnehmen. Paul Di Resta auf der Vier, mehr war für AMG nicht zu holen. Und zu allem Übel kam noch, dass Sternen-Verfolger René Rast gewinnen durfte, denn Mike Rockenfeller machte knapp vor Schluß noch Platz für den Sieg. Eine sehr eigenartige Sache. Klar sind die drei großen Hersteller die tonangebenden Kräfte, deren Macht innerhalb der Rennserie über allen Teams steht. Die Frage ist jedoch: Wozu gibt es dann überhaupt Teams? Man stelle sich vor, ein Sauber (mit Motor, Getriebe, KERS, usw. von Ferrari) würde Sebastian Vettel Platz machen, um ihm den Sieg zu überlassen. Der Aufschrei aller F1-Teams wäre am Mount Everest noch hörbar. Die Aktion von Audi zeigte leider den tatsächlichen Stellenwert der Teams innerhalb der DTM.

Die beiden Österreicher Lucas Auer (Mercedes-AMG) und Philipp Eng (BMW) landeten mit den Plätzen sechs und acht jeweils in den Punkten. Besonders für Auer eine erfreuliche Platzierung, laborierte der Kufsteiner doch schon seit Donnerstag an einem Magen-Darm-Virus.

Rene Rast (33) führt das Feld an, DTM 2018 Spielberg Red Bull Ring © Red Ring Shots24 Stunden nach dem dreifachen Erfolg von den Autos mit den vier Ringen am Kühlergrill, sah die (DTM-)Welt kaum anders aus. Zwar begann der Sonntag mit einer Pole-Position von Gary Paffett, jedoch waren es im Rennen wieder 4,7 Sekunden, die Mercedes von den Plätzen eins und zwei trennten. Paffett, Di Resta und Wehrlein auf den Rängen drei, vier beziehungsweise sechs. Der Sieg ging wieder an Rene Rast. Nico Müller, am Vortag noch dritter und Brellbock gegen Di Resta zum Schutz von Rast, diesmal eine Treppe höher am Podium auf der Zwei.

Rallye-Ass Ogier war sowohl in der Qualifikation als auch beim Sonntagsrennen chancenlos und musste sich beidemale mit dem letzten Rang zufrieden geben.

Lucas Auer musste wegen technischer Probleme seinen Mercedes-AMG nach 27 Runden in der Box abstellen. Philipp Eng wiederholte seinen achten Platz vom Vortag.

Während Audi feierte, waren bei Mercedes nachdenkliche Gesichter zu sehen. Zwar konnten Paffett und Di Resta speziell im zweiten Rennen tapfer punkten, doch die Dominanz der Herren der Ringe war deutlich zu spüren. Di Resta führt nachwievor in der Meisterschaft vor Paffett, doch sein komfortabler Abstand zu Rast ist nach Spielberg um satte 26 Zähler geschrumpft. Rast holte in den letzten fünf Wertungsläufen mit vier Siegen in Serie beängstigende 115 Punkte, das Führungsduo zusammen nur 93, einzig in den Qualifyings konnten die beiden zwei Punkte mehr ergattern.

Und auch wenn die beiden Mercedes-Piloten mit 26 bzw 30 Punkten Vorsprung nach Hockenheim kommen, in den letzten beiden Rennen der bisherigen Mercedes-DTM-Geschichte müssen Siege her um den Gewinn der Meisterschaft abzusichern.

Blickt man also auf das Rennwochenende in Spielberg, so war Audi der große Sieger. Auch das Publikum auf den Rängen bekam das zu sehen was es erwartete. Besonders aufgrund der wechselhaften Bedingungen kam es zu spannenden Szenen und zahlreichen waghalsigen Manövern. Der Ansturm auf die beiden Österreicher Lucas Auer und Philipp Eng war enorm. Auch Sebastien Ogier war heißbegehrt für Autogramme und Selfies. Gerhard Berger gratuliert BMW zum 300. DTM-Start, DTM 2018 Spielberg Red Bull Ring © Red Ring ShotsWie oft hat man schon in Österreich die Möglichkeit, einer lebenden Legende seines Kalibers zu begegnen? Erfreulich war auch die Anwesenheit und Publikumsnähe von ITR-Boss Gerhard Berger. Der Österreicher, Onkel von Lucas Auer und seit 2016 an der Spitze des DTM-Dachverbands, bemühte sich merklich um die Gunst der DTM-Fans und ließ keine Zweifel daran, dass er hart für das Überleben und die sportliche Rechtfertigung der Rennserie kämpft. Auch die beiden Hersteller Audi und BMW versuchten das reduzierte Auftreten von Mercedes-Benz, am deutlichsten abseits der Rennstrecke, für die Fans zu kompensieren, was durchaus gelang. Somit war auch dieses Wochenende am Red Bull Ring ein echter Erfolg für die Motorsportbegeisterten in Österreich. Spannende Qualifikationsläufe, noch spannendere Rennen mit hochtechnologisierten Autos – Rennsportherz was willst du mehr.

Mercedes wird der DTM fehlen, so wie auch Opel, Alfa Romeo und wie sie alle hießen einst gefehlt haben. Doch die DTM muss weiterleben, zu groß wäre die Lücke, die sie hinterlassen würde.

 

 

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