BOSCH RACE SPIELBERG / HISTO CUP FINALE 2016


Mit einem letzten großen Rennwochenende verabschiedete sich auch der Histo Cup, Österreichs Rennserie für historische Fahrzeuge und solche, die es bestimmt noch werden, in den wohl verdienten Winterschlaf. Beim finalen Rennen der Saison 2016 am Red Bull Ring in Spielberg zeigten nochmal alle Boliden, dass sie vielleicht zum alten Eisen gehören, aber dennoch die Zuschauer mehr den je in ihren Bann ziehen können.

Der Begriff ‚historisch’ mag zwar auf den ersten Blick nicht für alle fahrbaren Untersätze gelten, die am Wochenende vom 21. – 23. Oktober am Start waren, doch wenn man ein wenig über die einzelnen Fahrzeuge nachdenkt, bekommen sie alle eine Daseinsberechtigung bei so einer Veranstaltung. Klar, wenn man unter den zahllosen wirklich alten Blechkisten auf einmal einen 1996er BMW oder ein gerade erst zehn Jahre altes Langstreckengefährt sieht, wirkt es eher unhistorisch, doch wo sollen diese Schätze sonst fahren? Sie wirken ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen, können aber nirgendwo anders fahren. Bei aktuellen Rennserien hat man keine Verwendung mehr für sie. Und weil sie „erst“ Youngtimer sind, sollen sie in irgendwelchen Garagen verrotten, nur weil sie noch nicht alt genug sind, um sich Oldtimer nennen zu dürfen? Es verhält sich ein wenig wie mit Hunden. Wir staunen über sie und finden sie süß, wenn sie Welpen sind und wir finden sie noch süßer, wenn sie dann im hohen Alter, ergraut und mit hängendem Kopf ein wenig orientierungslos, weil meistens fast blind, herumdackeln. Doch ein Hund in seinen besten Jahren ist dann einfach nur ein Hund, maximal noch mit lieb betitelt. Aber Schmachten und feuchte Augen generieren nur die ganz jungen und ganz alten.

Auf Autos übertragen bedeutet das: Männer bewundern die neusten, schnellsten und hochtechnologisiertesten Autos und/oder richtig alte Kisten, eben historische Fahrzeuge. So auch beim Histo Cup, nur dass da eben auch der Oldtimer-Nachwuchs von morgen, sogenannte Youngtimer mitspielen dürfen. Und dieser Mix ist gar nicht schlecht. Betrachtet man zum Beispiel die BMW 325 Challenge, so erkennt man diese Bereicherung sehr deutlich. Alt trifft älter, aber beide begegnen sich durchaus auf Augenhöhe. Schon alleine der Vergleich zwischen den Generationen ist faszinierend. Auf den Baureihen E30 und E36 aus Bayern haftet zwar ein wenig das Straßenrowdy-Image, doch auch da ist es wie mit Hunden, das Fehlverhalten in der Öffentlichkeit liegt meistens an den Besitzern. Auf der Rennstrecke sind diese Fahrzeuge seriöse Mitbewerber und schön zu beobachten.

Nochmal bunter war das Starterfeld bei den Rennen des Histo Cups unter 2500ccm. Da trafen dann alte Zwerge mit dem Namen Mini auf ebenso alte Rennboliden von Ford, Opel oder eben BMW. Dazwichen gesellte sich sogar ein Puch 500, kaum größer als der Seitenkasten eines Ford. Spannend war es, denn die zahlreichen Hobbypiloten droschen ihre Benzinkutschen in ansprechendem Tempo durch die Kurven von Spielberg. Etwas vorsichtiger, aber deutlich schneller war man in der Klasse über 2500ccm. Wohl auch weil da so manch echter Goldschatz der Automobilgeschichte mitfuhr. Allen voran der Zakspeed Ford Capri Turbo von Peter Mücke. Eine echte Perle, sowohl optisch als auch technisch. 540PS treiben das ehemalige Einsatzfahrzeug von Klaus Ludwig an, eine brachiale Gewalt, die teilweise das Feuer aus den Rohren treibt und wie nicht anders zu erwarten auch dem Team Mücke Siege im Histo Cup beschert. Wem der Capri nicht genug war, der bekam noch mehr zu sehen. Denn gejagt wurde der Ford von allem, was im Rennsport einst Rang und Namen hatte. Corvette Stingray, Shelby Cobra, Dodge Challenger, BMW und Jaguar, doch sie alle waren zwar wunderschön, aber chancenlos gegen den Turbo Ford.

Ein besonderes Highlight und eine Freude für alle Formel-Fans waren wie immer die Auftritte der Formel Historic. Zu sehen gab es Rennsemmeln aus Zeiten, als die Fahrer noch Berger, Senna oder Lauda hießen. Egal ob Formel 3, Formel Ford oder Formel Vau, jeder der Boliden war einzigartig. Über Schönheit kann ma ja bekanntlich streiten, in der Formel Historic war jedes Auto wunderschön, Punkt. Besonders das gelbe mit dem großen „Van Diemen“-Schriftzug und dem Namen Ayrton Senna an den Seiten, eh klar. Die Formel Historic bot wirklich eine wundervolle Zeitreise in die guten Epochen des Motorsports. Als Rennfahrer noch Rennen fuhren und nicht Sprit sparen und Computerknöpfe drücken mussten.

Es war einfach schön an diesem Herbstwochenende am Red Bull Ring. Wie immer beim Histo Cup war die Stimmung äußerst entspannt und freundschaftlich. Knatternde Motoren, diverse Fahrzeugtypen, Benzinduft in der Luft und jede Menge strahlende Gesichter.Die Teams öffneten den Fans Türen und (Zelt-)Tore, es wurde gegrillt, Fachwissen ausgetauscht und so manches Auto bis ins letzte Detail fotografiert. Hunderte Fahrer, Mechaniker und Begleitpersonen waren an diesen Tagen in Spielberg im Einsatz und ihnen allen gebührt Dank. Dafür, dass sie Geschichte aufleben haben lassen. 2017 geht es zum Glück weiter, Ende April, in Spielberg!

EVENT-WEBSITE: www.histo-cup.at

FREE4ALL

4SALE

Please note: The image resolution is intentionally reduced in preview mode for copyright reasons. Orders of course are delivered in highest available resolution.
All photos are available for sale!
Fotographer: Daniel Widner, Philipp Hacker