ADAC GT MASTERS


ADAC GT Masters 2016 in Spielberg

Das ADAC GT Masters beehrte von 22. – 24. Juli 2016 wie schon die letzten Jahre das Motorsport-Mekka von Österreich, den Red Bull Ring in Spielberg und präsentierte sich auch im zehnten Jahr des Bestehens als spannende und großartige Rennserie. Ein gelungenes Jubiläum ging über die Bühne.

Für all jene, die mit dem Namen der Serie nicht viel anfangen können, eine kurze Erklärung: Tollkühne Piloten steuern Männerträume auf vier Rädern über deutsche Traditionsstrecken. Einzige Ausnahme neben so legendären Rundkursen wie dem Nürburgring, dem Sachsenring oder dem Highspeed-Asphalt von Hockenheim bieten das niederländische Zandvoort und eben unser heimischer Red Bull Ring im Herzen der Steiermark. Gefahren wird mit allem, was der moderne Mann nur aus seinen Träumen, dem Internet oder diversen Autozeitschriften kennt. Lamborghini Huracán, Mercedes Benz AMG GT oder SLS, Audi R8, Bentley Continental GT und viele andere Luxusgeschosse. Praktisch ein Who’s who der Edelschlitten und das in rennoptimierter, wenig alltagstauglicher Form. Von edlem Wurzelholzinterieur, Mehrzonenklimaanlage und feinsten Ledersitzen ist in den GT-Fahrzeugen nichts zu sehen. Wie im Motorsport üblich dominieren puristische Cockpits, Carbon-Chassis und überzüchtete Aggregate unter der Haube das Geschehen. Hinter dem Steuer nehmen großartige Nachwuchsfahrer, Rennsport-Veteranen wie der Tiroler Karl Wendlinger sowie arrivierte semiprofessionelle Piloten jeder Altersklasse Platz. Die Renndauer beträgt eine Stunde, jedes Fahrzeug wird abwechselnd von zwei Piloten gesteuert, Fahrerwechsel sind verpflichtend.

Exakt zur Saisonmitte gastierte die PS-geladene Meisterschaft in Spielberg und dank der vielen Local Heroes unter den Akteuren konnten zahlreiche Motorsportfreunde auf die Tribünen rund um den großen Stier gelockt werden. Auch die günstigen Eintrittspreise, das offene Fahrerlager und so mancher große Name wirkten wohl positiv auf die Besucherzahl. Denn neben Wendlinger war auch der Sohn von F1-Gott Michael Schumacher, der erst 17-jährige Mick Schumacher in der ADAC Formel 4 sowie Michaels Ex-Schwägerin Cora Schumacher in der Tourenwagenklasse am Start. Auch Markus Winkelhock, der Sohn des 1985 tödlich verunglückten Manfred Winkelhock, welcher selbst schon in einem F1-Boliden sowie im DTM-Renner gesessen ist, fuhr um wertvolle Punkte in der ADAC GT-Wertung mit. Der ehemalige F1-Testfahrer Felix da Costa sowie Rennstall-Spross Daniel Abt rundeten das hochwertige Fahrerfeld weiter ab. Neben der GT-Klasse waren wie üblich auch einige Partnerserien vertreten. Die ADAC Formel 4, die ADAC TCR Germany, der Renault Clio Cup Central Europe sowie der deutsche Tourenwagen Cup boten ebenfalls spannende Qualifyings und hart geführte Wertungsläufe.

Freitag – viel Sonne und ein erstes Beschnuppern

Wie immer begann alles mit den ersten freien Trainings am Freitag. Die Teams der ADAC GT Masters sowie die der Nachwuchsklassen legten die ersten Runden unter Idealbedingungen auf der 4,3 Kilometer langen Strecke zurück und konnten erste Erfahrungswerte sammeln. Neben dem Kennenlernen des Kurses sowie dem Adaptieren der Wagen-Setups ging es in den Trainingssessions der GT-Teams auch um das Training für die Fahrerwechsel. Österreichs sympathischer Evergreen des Motorsports, Karl Wendlinger hatte mit seinem neuen Arbeitsgerät dabei einige Mühe und so verlief das Wechseltraining für ihn nicht wirklich zufriedenstellend. Auf der Strecke selbst konnte der Kufsteiner, welcher erst kürzlich in die GT-Masters eingestiegen ist, aber wie immer überzeugen und bewegte den etwas in die Jahre gekommenen Mercedes Benz SLS AMG vom Team Car Collection Motorsport erwartungsgemäß schnell und am Limit. Mehr als ein Platz im Mittelfeld der ersten Trainingssession war aufgrund des Materials aber nicht möglich.

Für das heimische Team von Gottfried Grasser lief es im ersten Training deutlich besser, ein vierter Platz zeigte, wie konkurrenzfähig das GRT Grasser-Racing-Team mit seinen drei Lamborghini Huracán GT3 ist. Der zweite Trainingslauf war etwas weniger erfreulich, technische Defekte bremsten die grünen Stiere ein wenig. Dominiert wurde der Freitag von den Bentleys des deutschen Team Abt. Die Qualifying-Läufe der flinken ADAC Formel 4 ließen zudem erstmals echte Spannung aufkommen.

Samstag – Zeit für Gespräche und die ersten Rennen

Der Samstag begann für Red Ring Shots mit einem exklusiven Kurz-Interview mit Karl Wendlinger in der Box seines Teams Car Collection Motorsports. Beim letzten Gespräch mit Karl, im Rahmen der DTM 2016 in Spielberg, war er noch ohne Cockpit und als Markenbotschafter für Mercedes-AMG im Einsatz. Einige Monate später sieht seine Welt ganz anders aus, wie es dazu kam erklärte er so: „Durch meine Bekanntschaft mit dem Team Car Collection kam es zu einer Anfrage, ob ich nicht die letzten vier Rennen der ADAC GT Masters fahren will, denn sie setzen da einen Mercedes SLS ein. Durch meine Tätigkeit für Mercedes-AMG bin ich sozusagen auf AMG-Autos limitiert und so war es die ideale Gelegenheit, in den SLS einzusteigen.“. „Es ist nie eine Selbstverständlichkeit“, so Karl auf die Frage wie einfach der Wiedereinstieg in den Motorsport war, „aber sagen wir so, 95% vom Rennauto hast du sofort verstanden, egal ob du damit Erfahrung hast oder nicht. Die restlichen paar Prozent sind eine Verbindung von optimalem Fahren am Limit, der Präzision und der Abstimmung des Autos. Erst da gewinnt man die restlichen wertvollen Zehntel, daher ist es nie eine Selbstverständlichkeit, in ein Rennauto einzusteigen.“. Wirklich glücklich war Wendlinger mit der Ort seines Comebacks. „Schön, ich war schon immer gerne hier, allgemein in Zeltweg, aber besonders seit Red Bull hier diese tolle Anlage gebaut hat, ist man wirklich gern da. Also ich freu’ mich erstens, dass ich dabei bin, zweitens, dass es der Red Bull Ring ist.“

Das Qualifiying zum ersten Wertungslauf der GT-Klasse begann kurz vor halb neun bei strahlendem Sonnenschein. Wieder war es das Bentley Team Abt, das mit den Bedingungen und der Strecke am besten zurechtkam. Jordan Pepper setzte seine britische Edelkarosse auf die Pole-Position, hinter ihm belegte Teamkollege Fabian Hambrecht den zweiten Platz. Wendlinger musste sich seinem Cockpit-Partner Florian Scholze, welcher den Wagen auf Platz 26 pilotierte, noch geschlagen geben. Das österreichische Grasser-Racing-Team blieb in seinen werksunterstützten Edelflundern mit den Plätzen 10 und 13 etwas hinter den Erwartungen zurück. Wie knapp es in der ADAC GT zugeht, zeigte aber der Blick auf die Rundenzeiten. Wenige Hundertstel und Tausendstel trennten die jeweiligen Platzierungen.

Mit großer Spannung wurde das erste von vier ADAC Formel 4 Rennen an diesem Wochenende erwartet. Lokalmatador Thomas Preining vom Lechner Racing Team setzte bereits am Samstag seinen Abarth-Boliden auf die Pole und wurde auch als heißer Kanditat für einen Start-/Zielsieg gehandelt. Schon der Rennstart war wie für diese Nachwuchsklasse üblich sehr turbulent und hart geführte Positionskämpfe sorgten für Entzücken im Publikum. Tatsächlich schaffte es Preining, sich aus dem Gerangel hinter ihm rauszuhalten und konnte trotz Safety Car Phase den Sieg heimfahren. Ein großartiger Erfolg für ihn und das Team.

Nach einigen Events der anderen Partnerserien starteten um kurz nach 13:00 Uhr erstmals die Supersportler der ADAC GT Masters ihre Motoren für das erste Rennen ihrer Klasse. Während der Start noch sauber ablief, kam es in den Kurven Castrol und Remus zu fleißigem Lackaustausch. Bentley musste wegen eines Defekts mit einem Wagen weniger starten. Pole-Erbe Fabian Hambrecht war zu schwach, um die Attacken abzuwehren und wurde vom drittplatzierten David Jahn in seinem 911er Porsche GT3 überrascht und überholt. Wie auch schon in der kleinen Formel-Klasse ein paar Stunden zuvor überschlugen sich hinter dem Spitzenduo die Ereignisse. Dreher und Ausfälle waren die logische Folge, während der Porsche 911 vom KÜS TEAM75 Bernhard an der Spitze davonfuhr. Auch der obligatorische Fahrerwechsel klappte hervorragend und so war der Tagessieger klar. Erstmals in der ADAC GT feierte das Team KÜS TEAM75 Bernhard einen Sieg! Das Abt-Team rettete mit den Fahrern Hamprecht/Jöns den zweiten Gesamtrang ins Ziel und konnten den ersten Podestplatz der Saison verbuchen. Wendlinger und sein Teamparnter kamen nicht über Platz 21 hinaus, die Piloten Ineicher und Engelhardt belegten als Teambeste für das Grasser-Racing-Team den respektablen sechsten Platz.

Am Ende des Tages gab es wie immer Sieger und Verlierer, Freude auf der einen, Trauer auf der anderen Seite. Die Fans auf den Tribünen waren allerdings alle Gewinner. So spannende Samstage hat man wohl selten. Die GT-Monster überzeugten mit herrlichem Klang, tollen Fahrmanövern und beherzten Zweikämpfen, jeder Pilot ging merklich ans Limit. Die Vorfreude auf den Sonntag war also bei allen dementsprechend groß.

Sonntag – “Raceday”

Dass der Sonntag ein wenig von seinem Raceday-Feeling einbüßen musste, lag ganz klar an den bereits am Samstag abgehaltenen Rennen. Trotzdem zog der Red Bull Ring nochmal einige Tausend Motorsportfreunde mehr in seinen Bann. Alle Ränge waren bereits vor dem Mittag gut gefüllt. Sonniges Wetter, unzählige Fans und Boliden mit dem gewissen Plus unter der Haube, die idealen Zutaten für feine Autorennen. Die Stimmung war wie immer großartig in Spielberg, die Fans strömten in das offene Fahrerlager, um Autogramme und die heutzutage ganz wichtigen Selfies zu ergattern. Sämtliche Fahrzeughersteller und Teams der ADAC GT Masters waren mit Hospitality und Merchandise-Ständen vertreten, es wurde also geshoppt, fotografiert und gestaunt.

Gottfried Grasser, Besitzer des Grasser-Racing-Teams und Benzinbruder mit Leib uns Seele stellte sich noch vor der ersten Renn-Action auf der Strecke den Fragen von Red Ring Shots-Motorsportreporter Daniel Widner. Natürlich war die erste Frage, wie er überhaupt zum Motorsport kam. “Ich bin fünf Gehminuten neben der Strecke aufgewachsen”, erklärte er freudig. “Schon als junger Bub bin ich neben der Stecke mit dem Rad gefahren und habe alle Rennen gesehen. Von daher hatte ich schon immer eine Passion für den Motorsport. Bis ins Jahr 2002 war ich selbst aktiv in diversen Formel-Klassen, musste aber aufgrund mangelnder Sponsoren aufgeben. Meine Eltern haben ein Autohaus und dort arbeitete ich danach eine Zeit mit. Doch nach ein paar Jahren merkte ich, dass es mich nicht erfüllt, es nicht das ist was ich mir für mein Leben so vorgestellt hab. Ich habe dann ganz klein angefangen. Mit Freunden ein paar alte Rennautos gekauft, privat finanziert, und wir sind dann zu kleinen Rennen gefahren. 2012 sind wir schon mit dem ersten Lamborghini in die ADAC GT Masters eingestiegen, auch noch privat finanziert. Das Team in einen Zirkusanhänger gepackt, einen Toaster als Catering, mehr hat’s nicht gegeben für uns damals. 2013 haben wir den Einstieg in die FIA GT-Serie geschafft. Zusammen mit einem guten Freund von mir, dem Hari Proczyk. 2014 waren wir Gesamt-Vize-Meister und das Team ist somit immer weiter gewachsen.” Mittlerweile ist Grasser Chef von über 30 Angestellten, das Team finanziert sich selbst durch Sponsoren, Fahrersponsoren und durch die Werksunterstützung von Lamborghini. Auf die Frage, ob es mehr Spaß als Beruf ist, antwortete der Teamchef: “Es ist ein reiner Beruf aber er macht auch Spaß, ich persönlich bin für das Team gut 300 Tage im Jahr unterwegs, wir fahren in vier Rennserien und sind an 28 Rennwochenenden aktiv.” Ausserdem nannte er die Kosten für einen von ihm eingesetzten Lamborghini Huracán GT3. Satte 369.000 Euro muss man nach Italien überweisen, um so einen Edelrenner sein Eigen nennen zu können. Für die Basisversion, ohne Ersatzteile und Kleinkram, versteht sich.

Dass sein Team schnelle Autos hat, bewies das Qualifying-Ergebnis wenige Minuten nach dem Gespräch. Der Deutsche Christian Engelhart belegte für das GRT den guten sechsten Platz im zweiten Qualifikationslauf zum zweiten Rennen. Die Pole-Position schnappte sich Daniel Keilwitz in seiner Corvette C7 GT3 von Callaway Competition. Dicht gefolgt vom Audi R8 von APR Motorsport und dem Bentley mit Daniel Abt am Steuer. Karl Wendlinger war erstmals schneller als sein Team-Partner, musste sich aber aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten und der alten Technik mit Startplatz 26 zufriedengeben.

Nach einem öffentlichen Pitwalk wurde das zweite Rennen der ADAC GT Masters um Viertel nach 12 gestartet. Pole-Setter Keilwitz und Daniel Abt auf Rang zwei kamen gut weg. Sehr zur Freude der Fans kam es hinter ihnen wie erwartet zu harten aber fairen Gefechten. Gut nutzen konnte diese Umstände das Team APR Motorsport mit einem Audi R8, welches nach einigen Runden die Führung übernahm und sich an der Spitze absetzte. Die Fahrer Florian Stoll und Laurens Vanthoor verteidigten trotz Fahrerwechsels und zwei kurz aufeinanderfolgender Safety-Car-Phasen ihre Position und wurden als Sieger abgewunken. Leider wurden nach Rennende technische Unregelmäßigkeiten an den Fahrzeugen ihres Teams festgestellt und alle Audi R8 der Mannschaft disqualifiziert. Somit hießen die Sieger offiziell Gounon und Keilwitz mit ihrer Corvette C7. Das Team Abt erbte den zweiten Platz. Auf Position drei landete das Zakspeed Team mit dem Mercedes-AMG GT3. Für Grasser war der vierte Gesamtrang dicht dahinter sehr erfreulich. Wendlinger und Scholze beendeten das Rennen als Vierzehnte, angesichts des unterlegenen Materials eine Leistung, mit der man zufrieden sein konnte.

Wirklich glücklich und zufrieden waren besonders die angereisten Motorsportfreunde. Das ADAC GT Masters hatte vollkommen überzeugt und großartigen Rennsport gezeigt. Die eingesetzten Fahrzeuge waren mindestens so schön wie ihre straßenzugelassenen Pendants, standen aber in den Punkten Beschallung der Fans und Performance deutlich darüber. Was für musik-affine Menschen eine Mozartsymphonie ist, das ist für echte Benzinbrüder ein Lamborghini Huracán oder Porsche 911 GT3 im Drehzahlbegrenzer. Diese Autos der Sonderklasse auf einem Rundkurs bei der Arbeit zu beobachten ist einfach wunderschön. Glühende Bremsscheiben, Gummi- und Benzinaroma in der Luft und sanftes Dauervibrieren des Trommelfells können Männer zu Tränen rühren. Sowohl die Rennen der GT-Klasse als auch die Läufe der Partnerserien waren stets actionreich und sorgten für freudige Gesichter auf den Tribünen. Der Red Bull Ring und das ADAC GT Masters ergänzen sich hervorragend, logisch also dass 2017 eine Fortsetzung folgen muss.

 

 

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Fotographer: Daniel Widner, Philipp Hacker